WASBE — Schlag auf Schlag!
Einem eindruecklichen Start mit Konzerten (Irish National Wind Ensemble, Cincinnati Chamber Winds, Gothenberg Symphonic Band), Vortraegen (Chamber Music, Music for Chorus and Winds) und der ersten Repertoire-Session, folgte gestern Abend ein Konzert der Superlative. Das University of Louisville Wind Ensemble (Frederick Speck) praesentierte ein in jeder Hinsicht hervorragendes Konzert (Monday Juli 9th 2007). Aus einem Programm mit neuer und neuster Literatur seien an dieser Stelle nur ein paar (noch) meist unbekannte Kompositionen hervorgehoben: Entrata for Brass and Timpani (1994) Kryzystof Penderecki, Day Signal (1987) Toru Takemitsu, Cheetah (2007) Karel Husa, Three Spanish Songs for Soprano and WE (Matthew Tommasini) sowie Blaze (2000) von Steve Rouse. Was auf den ersten Blick akademisch und nur fuer Fachleute bestimmt aussieht, begeisterte ebenso das zahlreich erschienene Publikum. Musiziert wurde ausgespochen aesthetisch, spannungsgeladen und hoechst musikalisch. Denn Ausgestalten, nuanciert und dynamisch flexibel musizieren sind bekanntlich nicht gerade erste Attribute fuer amerikanische Schul- und Universitaetsorchester. Dahinter steckt wohl die Arbeit eines hervorragenden und initiativen Dirigenten. Das wirkungsvolle und auf den Kern der Sache fokussierte Dirigat von Frederick Speck hat wesentlich dazu beigetragen. Nebst technisch-rhythmischen Hoechstleistungen wurden auch intonatorische Klippen immer wieder bestechend sauber gemeistert.
War das ein Hoervergnuegen! Das Wind Ensemble ist eines der vier Blasorcheste des Band-Departments der University of Louisville. Die Music-School zaehlt ca. 350 Studentinnen und Studenten und gehoert damit zu einer mittelgrossen, amerikanischen Musikhochschule.
Drei Junge Dirigenten — Meisterklasse mit Gerhard Markson
Das WASBE Internationale Jugendblasorchester (IYWO) bot eine hervorragende Plattform für den Dirigenten-Workshop mit Gerhard Markson. Gleich drei Dirigenten-Studenten aus Canada, Bulgarien und Irland stellten sich dieser kritischen Beobachtung durch Gerhard Markson und den den zahlreich erschienenen WASBE-Gästen. Gearbeitet wurde an Takten aus Morning Music von Richard Rodney Bennett. Gerhard Markson ist seine Aufgabe mit viel Geschick und Gespühr für angegangen. Schnell wurde klar, dass hier eine ausgesprochen kompetente und erfahrene Persönlichkeit an der Arbeit ist. Der in Bensheim geborene Gerhard Markson studierte u.a. an der Musikhochschule in Frankfurt und durchlief den klassischen Weg als Kapellmeister. Nach Stationen in Europa, China und den USA ist er heute Chefdirigent des Irisch Nationalen Symphonieorchesters. Reichlich mit Beispielen und Episoden geschmückt, ist Gerhard Markson immer wieder neu auf die individuellen Reaktionen und Bedürfnisse eingegangen.
Wurde vorwiegend im dirigiertechnischen Bereich gearbeitet, so konnten die Kandidaten doch verschiedene Varianten von Verbesserungsvorschlägen ausprobieren. Liess dann die Konzentration der Musiker auch Mal nach war das eine gute Gelegenheit zu vermerken, dass auch die Orchestermusiker ihren Teil leisten müssen und der Dirigent niemals alles machen kann. Markson hat anschaulich in Erinnerung gerufen, dass sich die Dirigenten immer gleichzeitig in den drei Zeitepisoden Zukunft, im Jetzt und in der Vergangenheit befinden. Für einmal aus der Distanz betrachtet war es interessant zu sehen, wie bestimmte Zeichengebungen verschieden auf die Musiker wirken. Machte es der Chef dann gleich Mal selbst vor — sei es mit wirkungslosen oder mit effizienten Bewegungsabläufen — hatte diese Lektion zusätzlich eine amüsante Note bekommen. Damit wurde diese Meisterklasse sowohl für die Kanidaten als auch für uns Zuhörer und Zuschauer zu einem tollen Erlebnis.
©2007 WASBE